04.11.2026, Zug | Medienmitteilung
Kleine Sensation im Zugersee: Nase nach Jahrzehnten wieder nachgewiesen
Ein Fischer hat Anfang Oktober im Zugersee gleich drei Nasen gefangen. Die Fischart gehört zu den am stärksten gefährdeten der Schweiz und wurde im Zugersee seit Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen. Fachleute gingen davon aus, dass sie dort ausgestorben ist. Der überraschende Fang ist deshalb eine erfreuliche Nachricht für den Artenschutz – und wirft neue Fragen auf.
Eigentlich wollte ein Fischer am 6. Oktober 2026 im Gebiet Räbmatt im Zugersee Felchen fangen. Doch innerhalb von nur 20 Minuten bissen gleich drei Nasen an. Der Fischer setzte die Tiere umgehend wieder frei und meldete den aussergewöhnlichen Fang mit Fotos dem Amt für Wald und Wild.
Die Nase war früher im Zugersee heimisch, konnte aber seit Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen werden. Auch bei mehreren umfangreichen Untersuchungen zwischen 1999 und 2013 wurde kein einziges Tier gefunden. Fachleute gingen deshalb davon aus, dass die Art im Zugersee ausgestorben ist.
«Dass wir nach so vielen Jahren wieder Nasen im Zugersee nachweisen können, ist eine kleine Sensation», freut sich Beda Schlumpf, Abteilungsleiter Fischerei und Jagd beim Amt für Wald und Wild. «Der Fund zeigt, dass seltene Fischarten manchmal unbemerkt überleben können. Er erinnert aber auch daran, wie wichtig intakte und vernetzte Gewässer sind.»
Eine der am stärksten gefährdeten Fischarten
Früher war die Nase in vielen Schweizer Flüssen weit verbreitet. Heute ist sie vom Aussterben bedroht und steht unter strengem Schutz. Gründe für ihren Rückgang sind insbesondere Wanderhindernisse wie Kraftwerke und Wehre sowie der Verlust geeigneter Laichplätze.
Die Nase gehört zur Familie der Karpfenfische und wird meist 25 bis 40 Zentimeter lang. Typisch sind ihre vorspringende Schnauze und die orange bis rot gefärbten Bauchflossen. Mit ihrer scharfkantigen Unterlippe schabt sie Algen von Steinen ab. Im Frühling wandern die Fische in Schwärmen flussaufwärts, wo sie ihre Eier auf Kiesflächen im fliessenden Wasser ablegen.
Woher stammen die drei Nasen?
Noch ist unklar, ob die Nase tatsächlich in den Zugersee zurückgekehrt ist oder ob ein kleiner Bestand über Jahrzehnte unbemerkt überlebt hat. Ebenso offen ist, ob und wo sich die Fische fortpflanzen. Das Amt für Wald und Wild will diesen Fragen nun gemeinsam mit Fachleuten nachgehen.
Bekannte Vorkommen gibt es im Kanton Zug in der Unteren Lorze zwischen der Reuss und dem Kraftwerk Hagendorn. Da weiter flussaufwärts unüberwindbare Hindernisse bestehen, ist eine Einwanderung aus der Reuss in den Zugersee allerdings wenig wahrscheinlich.
«Der Fang von gleich drei Nasen innerhalb so kurzer Zeit am selben Ort stimmt uns besonders optimistisch», sagt Beda Schlumpf. «Das lässt vermuten, dass im Zugersee noch weitere Tiere leben.»
Fischerinnen und Fischer sollen Fänge melden
Die Nase ist ganzjährig geschützt. Wer eine Nase fängt, muss sie deshalb unverzüglich und schonend wieder freilassen. Das Amt für Wald und Wild bittet zudem darum, entsprechende Fänge mit Datum, Fangort und Fangtiefe an info.afw@zg.ch zu melden. Auch Meldungen aus vergangenen Jahren sind willkommen.
Jede Meldung hilft, mehr über das Vorkommen dieser seltenen Fischart im Zugersee zu erfahren.
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Beda Schlumpf
6301 Zug