06.03.2026, Medienmitteilung
Living Library – Lebensgeschichten von Mensch zu Mensch erzählt
Im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus organisiert die Bibliothek Zug am Samstag, 21. März, von 13.30 bis 16.00 Uhr wieder die «Living Library». Dabei können statt Bücher Menschen für Gespräche «ausgeliehen» werden. Zu hören sind ihre Lebensgeschichten.
In der «Living Library» stellen sich Personen, die aufgrund ihrer Ethnie, Sprache, Hautfarbe, Religion, Lebensgestaltung oder Herkunft diskriminiert werden, als eine Art «lebende Bücher» für Gespräche zur Verfügung. In 30-minütigen Sequenzen berichten sie von ihren persönlichen Erfahrungen, beantworten Fragen und regen zum Nachdenken an. Teilnehmende erhalten in den Gesprächen die Gelegenheit, den Wahrheitsgehalt von Vorurteilen zu hinterfragen und sich aufgrund der direkten Begegnung eine persönliche Meinung über einen Menschen zu bilden.
Die Veranstaltung ist Teil der internationalen Aktionswoche gegen Rassismus, die jedes Jahr im März stattfindet. Der Kanton Zug unterstützt die «Living Library» im Rahmen des kantonalen Integrationsprogrammes KIP. Mit dabei sind in diesem Jahr:
Setareh (17, Iran): «Die iranische Regierung hat uns bis nach Griechenland verfolgt»
Wir mussten aus dem Iran fliehen, wurden verfolgt, beschossen, schliefen monatelang unter freiem Himmel. Bei der Überfahrt aus der Türkei nach Griechenland sind wir fast ertrunken. Als man uns sogar dort in einem der Flüchtlingscamps ortete, reisten wir weiter in die Schweiz. Das ist die ultrakurze Version meiner Flucht. Die lange Version erzählt aber auch von grossen Herzen, Hilfsbereitschaft und einem griechischen Ort so zauberhaft, dass ich nochmal dahin zurückwill.
Ali (22, Afghanistan): «Meine Mutter und Schwester haben keine Rechte mehr»
Ich kam vor einem Jahr in die Schweiz, deshalb besuche ich noch den Deutschkurs und kann noch nicht arbeiten. Zuhause, in Kabul, hatte ich Wirtschaft studiert. Ich musste das Studium abbrechen und fliehen, weil die Taliban die Stadt übernommen haben. Meine Mutter und meine Schwester sind noch in Afghanistan. Sie haben keine Rechte mehr. Das ist kein Leben. Ich finde, Frauen sollten die gleichen Freiheiten haben, wie wir Männer. Sie sollten leben können.
Herve (22, Kenia/Kongo): «Ich habe in der Schweiz wenig Rassismus erfahren»
Meine Mutter ist Kenianerin, mein Vater stammt aus dem Kongo. Meine Eltern sind hierhergezogen, weil sie für uns eine bessere Zukunft wollten. Meine Mutter ist Muslimin, mein Vater Christ. Meine Schwester hat sich für den Islam entschieden, ich mich für das Christentum – unsere Eltern haben uns den Entscheid überlassen. Ich habe in der Schweiz wenig Rassismus erfahren. Meine Freunde waren eher neugierig auf unsere Kultur und mochten unser traditionelles Mahl: Futu, eine Art gekochter Mais.
Hugo (46, Honduras): «Meine grösste Herausforderung ist das Schweizerdeutsch»
Meine Ex-Frau ist Schweizerin. Als wir vor 18 Jahren zusammen in die Schweiz kamen, war sie mit unserem Sohn schwanger. Die grösste Herausforderung bei der Integration ist für mich das Schweizerdeutsch. Ich bin Künstler und absolviere aktuell den Master in Art Education, damit ich an der Kanti unterrichten kann. In meiner Kunst befasse ich mich auch mit Ethnien und was es bedeutet, anders zu sein. Meine Kinder sind in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Manchmal erzählen sie mir, dass sie wie Ausländer behandelt werden.
Living Library
Samstag, 21. März 2026, Bibliothek Zug
Gesprächsbeginn um 13.30, 14.10, 14.50 und 15.30 Uhr
Teilnahme kostenlos
Medienschaffende, die «lebende Bücher» an der Veranstaltung oder im Vorfeld selbst interviewen möchten, werden gebeten, sich aus organisatorischen Gründen vorgängig zu melden.
Kontakt
Claudia Schwager
Abteilungsleiterin Gesellschaft Direktion des Innern
+41 41 594 17 54 claudia.schwager@zg.ch