Ur- und Frühgeschichte erkunden
Sind Sie an Informationen über das Leben in älteren Zeitabschnitten der Menschheitsgeschichte interessiert? Möchten Sie spannende Funde sehen, die wir gemacht haben, und an Erkenntnissen aus dieser Epoche teilhaben? Dann wünschen wir Ihnen viel Spass beim Entdecken.

Spektakulärer Mammutfund in Rotkreuz
Im Sommer 2015 konnten Archäologen bei Aushubarbeiten für den Neubau eines Bürogebäudes in Rotkreuz einen Stosszahn, Teile eines Beckenknochens sowie weitere Knochenfragmente eines Mammuts bergen – der erste Mammutfund im Kanton Zug seit 50 Jahren!
Die Skelettreste gehören zu einem ausgewachsenen Mammutbullen, der gegen Ende der letzten Eiszeit im Vorfeld des Reussgletschers verendet ist. Durch die dauerhafte Lagerung im Grundwasser sind die Knochen und der über zwei Meter lange Stosszahn erstaunlich gut erhalten. Gemäss Radiokarbondatierungen lebte das Rotkreuzer Mammut in der Zeit um 15 000 v. Chr. und gehört damit zu den jüngsten Mammutfunden der Schweiz.

Römische Statuette von der Baarburg
Archäologen haben 2009 auf der Baarburg nordöstlich der Zuger Gemeinde Baar eine römische Statuette ausgegraben. Die aus Bronze gefertigte Figur zeigt den Gott Merkur und stand mit grosser Wahrscheinlichkeit einst in einem Heiligtum. Sie ist neun Zentimeter gross, von guter Qualität und zeigt eine nackte männliche Person. Über deren Schultern hängt ein Mantel, der auf der rechten Seite mit einer Gewandschliesse verschlossen ist.
Die Figur ist etwas beschädigt. Diese Schäden dürften bereits in der Antike entstanden sein. So fehlen Hände und ein Unterschenkel. Dennoch konnte sie anhand spezifischer Merkmale eindeutig als Darstellung des Gottes Merkur identifiziert werden. Der römische Gott Merkur beziehungsweise Mercurius entsprach dem griechischen Gott Hermes. Die Römer verehrten ihn als Gott der Wege, der Reisenden, der Händler und der Diebe.

Geheimnisvolle Grube im Äbnetwald bei Cham
Bei archäologischen Ausgrabungen anlässlich des Kiesabbaus im Chamer Äbnetwald stiess die Zuger Archäologie 2018 auf eine geheimnisvolle Grube aus der Bronzezeit. Das Fundensemble besteht aus verschiedenen Objekten. So etwa aus einer rund 40 Zentimeter grossen Steinstele in stilisierter Menschengestalt aus Sandstein und aus einem sogenannten «Mondhorn». Dabei handelt es sich um ein halbmondförmiges Objekt aus gebranntem Ton, das mit einfachen Ornamenten verziert ist. Im Fundzustand war das Mondhorn in verschiedene Teile zerbrochen. Die regelmässige Art der Bruchstücke lässt vermuten, dass das Objekt absichtlich zerschlagen und in der Grube verteilt worden war.
Die spezielle Zusammensetzung der Funde lässt sich nicht mit normalem Siedlungsabfall erklären. Der Aufbau, die Einfüllschichten und die Grösse (5 x 3,5 Meter) der Grube lassen eher an einen kultischen Zweck denken. Solche relativ klaren Hinweise auf rituelle Handlungen sind sehr selten und deshalb umso wertvoller. Weitere Informationen finden Sie im Tugium.

Jungsteinzeitliches Kupferbeil aus der Riedmatt
In der Pfahlbaufundstelle Riedmatt in Zug entdeckten Archäologen 2008 eine 5000 Jahre alte Kupferbeil-Klinge. Sie ähnelt in Form und Verarbeitung Ötzis Beil. Die Untersuchung der chemischen Zusammensetzung sowie des Verhältnisses der Bleiisotope hat für beide Klingen deckungsgleiche «Fingerabdrücke» ergeben.
Dies weist darauf hin, dass die beiden Klingen bezüglich Datierung, Herkunft und Werkstatttradition in einen vergleichbaren Rahmen fallen und sich im erzreichen Gebiet in der südlichen Toskana verorten lassen. Es gehört zu den wenigen sicher datierten jungsteinzeitlichen Kupferbeilen in Europa. Der Pfahlbau Riedmatt wurde 2011 zusammen mit 110 weiteren solcher Fundstellen im Alpenraum zum UNESCO-Welterbe erklärt. Weitere Informationen finden Sie im Tugium.

6000 Jahre alte Axt aus dem Zugersee
Unterwassergrabungen im Zugersee führten 1999 zur Entdeckung eines weltweit einzigartigen Fundes. Etwa 70 Meter vom Ufer entfernt lag eine über 6000 Jahre alte Doppelaxt mit einem 120 Zentimeter langen Schaft. Gebrauchsspuren und Beschädigungen am Original sowie Experimente mit Kopien zeigen, dass die Axt wohl einst vielfältig verwendet wurde und so gefertigt war, dass sie sich insbesondere für Arbeiten im Wasser oder in Gewässernähe eignete.
Denkbar ist, dass sie als Bootshaken, Netzhaken, zum Wegräumen von Treibholz oder zum Freistossen von Booten zum Einsatz kam oder zum Erlegen, Häuten und Schlachten von Wild und grossen Fischen. Höchstwahrscheinlich hatte die Axt darüber hinaus eine mythisch-religiöse oder soziale Bedeutung. Eine solche dürfte auf allen Ebenen, von der Herstellung über den Gebrauch bis zur allfälligen Deponierung eines solchen Gerätes, eine Rolle gespielt haben.

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