Mittelalter und Neuzeit erkunden
Sind Sie an Informationen über das Leben im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert interessiert? Möchten Sie eintauchen in spannende Entdeckungen, die wir gemacht haben, und an Erkenntnissen aus diesen Epochen teilhaben? Dann befinden Sie sich hier am richtigen Ort.

Töpferofen in der Zuger Altstadt
Im Jahr 1994 wurde in der Zuger Altstadt ein Töpferofen ausgegraben, der mit Töpferabfall gefüllt war. Töpfereifunde des 16. Jahrhunderts sind sehr selten und für die Handwerksgeschichte und Keramikforschung der Schweiz von grosser Bedeutung.
Die Auswertung der Funde hat ergeben, dass in der Zuger Altstadt eine vielfältige Palette von Objekten wie Geschirr, Ofenkacheln, Tonstatuetten, Miniaturgefässen und Kinderspielzeug hergestellt wurden. Die Produktion von Fayenceglasur und Gefässen in Eulenform wurde nördlich der Alpen nur selten nachgewiesen, was die Wichtigkeit der Fundstelle in der Zuger Altstadt unterstreicht. Die Ergebnisse der Auswertung liegen seit 2016 in gedruckter Form vor (Archäologie der Stadt Zug, Band 2).

Morgartenfunde im Schlachtgelände von 1315
Im Vorfeld des 700-Jahr-Jubiläums der Schlacht am Morgarten führte das Amt für Denkmalpflege und Archäologie zusammen mit den zuständigen Schwyzer Behörden im Jahr 2015 einen Prospektionseinsatz mittels Metallsuchgeräten durch. Die Prospektion im Gebiet Morgarten / Sattel förderte Fundstücke aus Eisen, Bunt- und Edelmetall mit einem Gesamtgewicht von rund 80 Kilogramm zu Tage.
Die geborgenen Objekte decken eine Zeitspanne von über 2000 Jahren ab. Einige der Prospektionsfunde sind ins Spätmittelalter und somit in die Zeit ab Mitte des 13. Jahrhunderts bis circa 1500 zu datieren. Damit liegen erstmalig nach wissenschaftlichen Methoden dokumentierte Funde aus dem vermuteten Schlachtgebiet vor, die zumindest teilweise aus der Zeit um 1315 stammen könnten. Bei keinem einzigen Fundstück lässt sich jedoch ein eindeutiger Bezug zur Schlacht am Morgarten herstellen.
Auch wenn mit der jüngsten Prospektion das Schlachtfeld von 1315 nicht lokalisiert werden konnte, stellen die Untersuchungen für die Kantone Schwyz und Zug einen relevanten Informationszuwachs für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Gebiets dar. Zudem ist sie Ausdruck einer professionellen und erfolgreichen Zusammenarbeit zweier Amtsstellen über die Kantonsgrenzen hinweg.

Prunkvoller Degen aus dem Zugersee
Im September 2010 suchte die Tauchequipe der Stadt Zürich im Auftrag des Amts für Denkmalpflege und Archäologie am Ostufer des Zugersees nach Resten von Seeufersiedlungen. In Ufernähe zwischen Oberwil und der Räbmatt stiessen die Taucher zufällig auf eine Griffwaffe aus dem Spätmittelalter. Sie stammt aus der Zeit zwischen 1450 und 1500. Trotz Korrosionsspuren – die Prunkwaffe lag rund 450 Jahre lang im Zugersee – war der 61 Zentimeter lange Degen inklusive Holzgriff aus Buchsbaumholz ausserordentlich gut erhalten. Er war für die damalige Zeit teuer und dürfte einem reichen Bürger oder niedrigen Adligen gehört haben.
Direkt im Anschluss an die Bergung wurde der Fund im Sammlungszentrum des Schweizerischen Nationalmuseums konserviert. Es ist unklar, ob das wertvolle Stück mit Absicht versenkt wurde oder zufällig verloren ging.

Eine aussergewöhnliche Stube
Bevor das Haus Leihgasse 39/41 in Baar abgebrochen wurde, führte das Amt für Denkmalpflege und Archäologie eine baugeschichtliche Untersuchung durch. Dabei stiess man auf einen mittelalterlichen Gebäudekern. Eine Jahrringdatierung der darin verbauten Hölzer ergab ein Fälldatum im Winterhalbjahr 1419/1420. Mit der Errichtung des Gründungsbaus dürfte im Frühjahr 1420 begonnen worden sein. Damit handelt es sich um das älteste bekannte Wohnhaus in der Gemeinde Baar und um den ältesten Ständerbau im Kanton Zug ausserhalb des Stadtgebiets. Ausserordentliche Malereien an den Stubenwänden geben einen einmaligen Einblick in die ländliche Lebenswelt zur Reformationszeit.
Die auf dem Foto abgebildete Bohlenwand zeigt eine Bildkomposition mit einem Zuger Fahnenträger sowie die Heiligen St. Martin und St. Eligius. Nach der Dokumentation vor Ort hat unser Amt die noch vorhandenen Bauelemente des Gründungsbaus sorgfältig abgebaut und ins Depot gebracht. Die Wandmalereien wurden behutsam konserviert und restauriert. Mehr Infos finden Sie im Tugium.

Der Seilerschopf aus Unterägeri auf dem Ballenberg
Bis im April 2010 war der ehemalige Seilerschopf an der Lidostrasse 21 in Unterägeri eine Station des «Industriepfad Lorze». Realisiert wurde der 52 Meter lange und drei Meter breite Holzbau im Jahr 1896. Eine geplante Neuüberbauung brachte den Verlust aller alten Gebäude auf der Liegenschaft der ehemaligen Seilerei mit sich.
Das Freilichtmuseum Ballenberg bei Brienz zeigte aber glücklicherweise Interesse am historischen Schopf. Vor dem Abbau liess das Amt für Denkmalpflege und Archäologie die ehemalige Seilerei sorgfältig dokumentieren, so dass diese auf dem Ballenberg anhand der Pläne und Nummerierung der Bauteile Stück für Stück wieder originalgetreu auf- und eingerichtet werden konnte. Der Seilereischopf ist nach dem Wirtshaus Degen aus Hünenberg das zweite Gebäude aus dem Kanton Zug, das im Freilichtmuseum steht.

Spuren eines Stadtbrandes in der Stadt Zug
Im gesamten Gebiet der Altstadt von Zug gibt es – ausser einer Balkenlage im sogenannten Cheibenturm (Fischmarkt 5/7) von 1329/30 – keine einzige Holzkonstruktion, die dendrochronologisch, also gemäss der Holzaltersbestimmung, älter als 1370/71 datiert ist. Dagegen liegen aus mittlerweile 21 Gebäuden Bauteile vor, die aus in den Jahren 1370/71 bis circa 1390 gefällten Hölzern gefertigt wurden. Die bedeutende Anzahl an Neubauten und Instandstellungen in einer verhältnismässig kurzen Zeitspanne muss im Zusammenhang mit einem Zerstörungsereignis stehen. In Kombination mit den vielerorts festzustellenden Brandspuren ist eine verheerende Feuersbrunst nahliegend.
Im 2006/07 archäologisch und bauhistorisch untersuchten Haus Ober Altstadt 13 von 1471 fanden sich im Boden die Reste eines vollständig abgebrannten Vorgängerbaus. In dessen Küchenbereich lagen zahlreiche schwarz verbrannte Birnen.

Hochmittelalterliche Burgmauer im Schloss St. Andreas
Im Zuge der Restaurierung von Schloss St. Andreas wurde die Anlage bauhistorisch untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich in der Fassadenmauer bis heute wesentliche Teile der ursprünglichen Burgmauer verbergen. Sie ist zwei Meter dick, mindestens zwölf Meter hoch, stammt aus der Zeit um 1200 und verfügt über Schartenfenster.

Spezielle Spuren der Bewohner in Menzingen
Nebst unabsichtlich entstandenen Kratzspuren finden sich auf den hölzernen Wänden und Decken spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Häuser zuweilen auch bewusst angebrachte Ritz- und Kerbzeichnungen (Graffitis) sowie flammenförmige Brandspuren. Zumindest einige dieser Hinterlassenschaften sind als Zeugnisse religiös-magischer Praktiken anzusehen.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine zeitliche Eingrenzung ihrer Entstehung möglich: Im Haus Wulfligen 2 beispielsweise fand sich eine flammenförmige Brandspur auf einer Blockwand verborgen hinter einem Täfer. Bislang ist die Bedeutung der flammenförmigen Brandspuren ungeklärt. Das Pentagramm (fünfzackiger Stern) dagegen wurde seit dem Mittelalter bekanntermassen als Bann- und Schutzzeichen gegen das Böse eingesetzt und sollte wohl Geister und Hexen am Eindringen hindern.

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